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Rom-Marathon, 10. April 2016

Alle Wege führen nach Rom – heute auch mit Easyjet.

Unser Präsident Willi hatte in den Wintermonaten die glorreiche Idee, wieder einmal einen Ausland-Marathon zu bestreiten. Diesmal fiel seine Wahl auf die heilige Stadt Rom, wohl in der Annahme, dass der Parcours hier über ein besonderes Pflaster führe. Irren ist menschlich. 

Die Delegation des JCB (Willi, Jiri und Margrith, Kurt und Ruth) flog also am Freitagabend nach Fiumicino, nahm dort - nachdem sie als erstes Erfolgserlebnis den Ticketautomaten besiegt hatte   den schnellen Zug nach Rom Termini und erreichte auf direktestem Weg zu Fuss ihr Hotel. Entgegen aller Italien-Skepsis waren unsere Zimmerreservationen dort säuberlich registriert worden und die Zimmer bereit! Das obligate abendliche Bier mit Pizza genossen wir in einem der zahlreichen nahen Restaurants.

Am Samstagmorgen gings mit der U-Bahn zum Ausstellungszentrum, wo die Startnummern auf uns warteten. Die Warteschlange für uns war erträglich; wer erst am Nachmittag erschien, musste wohl eine Stunde oder mehr in der Schlange stehen.

Reservierte Startblöcke sind da, um auf dem Papier zu stehen.

Anderen Marathonis folgend, nahmen Willi, Jiri und ich am Sonntagmorgen den umständlichen Weg ins Startgelände unter die Füsse. Die Startnummern waren uns vorab aufgrund gelaufener Referenzzeiten für zugeteilte Startblöcke abgegeben worden. Also zogen wir uns im Startgelände um, schmückten uns mit den Startnummern und suchten zielstrebig unsere Startblöcke. Nichts einfacher als das, denkste! In Rom wird einfach von hinten ohne Berücksichtigung der Startnummer das Startgelände aufgefüllt. Wer nicht zwei oder mehr Stunden vorher in seinem Block steht, hat halt das Nachsehen. So war Willi’s Startblock bereits weg, als er sich noch immer von hinten vordrängte. Jiri und ich fanden uns inmitten von Walkern, Walkerinnen und Genussläufern. Für 15‘000 Teilnehmende war der Startbereich bei aller lateinischen Nachsicht viel zu eng und sehr pragmatisch organisiert.

Man muss es annehmen, wie es kommt (Vergil) 

So stiessen wir individuell laufend nach dem Start bald auf die Pacemaker für 7 Stunden, was uns schon etwas gemütlich schien. Für Willi dauerte es zehn Kilometer, bis er endlich seinen Rhythmus laufen konnte. Auch Jiri fühlte sich als Teil einer zähflüssigen Masse, die sich durch die teilweise engen Gassen schob. Mir wars eigentlich nicht unangenehm, plagte mich doch eine Bronchitis; ich bekam wenig Luft und verhustete in regelmässigen Abstand noch die berüchtigte abgasgeschwängerte Römer Luft. Aber nach den organisatorischen Anfangsschwierigkeiten besannen wir uns auf das Motto des legendären Emil Zatopek: „Jungs, heute müssen wir wieder ein bisschen sterben.“

Jiri erhielt erst ab Km 21 mehr Raum und Luft um sich herum und konnte aus seiner Trickkiste gleich mehrere schnellere Schrittvarianten hervorzaubern. Unser Asphaltläufer Willi musste sich stets auf die Bodenbeschaffenheit konzentrieren; gelegentlich fehlte ein Pflasterstein oder herausgebrochene Steine waren mehr schlecht als recht ganz einfach durch etwas Teer ersetzt worden.

Für Rom-Kenner hier einige unserer Stationen auf den 42 km: Colosseum, Via dei Fori Imperiali, Piazza Venezia, Piazza San Marco, Ponte Marconi, Via Marmorata, Piazza Cavour, Piazza Pio XII, Sottopasso di Ripetta, Piazza Navona, Piazza Venezia, Piazza del Popolo, Colosseum. Die Verpflegung war für meine Begriffe (und mein Tempo) durchaus genügend; für Willi weniger gut organisiert; das Kleiderdepot mit dem Marathonrucksack funktionierte aber bestens

Hätte mich nicht meine Fangruppe (Ruth, Sohn Thomas mit Daniela und den beiden Enkeln Thierry und Luc) mehrmals am Streckenrand erwartet und unterstützt, hätte ich wohl eine Abkürzung ins Hotel gewählt. Thierry und Luc zeigten mit Stolz ihre T-Shirts mit der Aufschrift „Forza Nonno“; dies gefiel auch zahlreichen anderen Marathonis. Nonno hätte den beiden schwerlich erklären können, weshalb er plötzlich nicht mehr aufgetaucht ist.

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Haile Gebrselassie wird das Wort zugeschrieben „Wie sich ein Marathon-Weltrekord anfühlt? Unbeschreiblich. Am besten ist es, Sie probieren es selbst einmal aus.“ 

Willi, Jiri und mir ist dies auch in Rom nicht gelungen. Willi und Jiri haben unter nicht ganz leichten Umständen Zeiten gelaufen, die sich sehen lassen dürfen. Für Jiri war es sogar der lockerste Marathon, den er je gelaufen ist. Ich bin für einmal nicht mit Johann Wolfgang Goethe einig, der meinte: „Die Erinnerung überstandner Schmerzen ist Vergnügen.“

Für die Clubchronik hier noch die statistischen Daten:

  Zeit Halbmarathon Zeit Marathon Rang Kategorie Teilnehmer Kategorie
Willi 1.45 3.33 29 554
Jiri 1.57 3.50 23 224
Kurt 2.13 4.52 4 10

Jiri ist also einen „Negative split“ gelaufen, wie er im Marathon-Lehrbuch steht: Gratulation. Mir allerdings ging mehrmals durch den müden Kopf: „Hätte dieser alte Grieche nicht schon nach 20 km tot umfallen können!“

Wir alle haben zusammen mit unserer Begleitung den Rom-Aufenthalt geniessen können. Ruth und ich wagten uns sogar auf neue Erfahrungen und absolvierten eine Rom-Besichtigung auf Segway. Jeden Abend konnten wir gemeinsam aufs Neue beweisen, dass „im Wein liegt Wahrheit“. Allerdings: „Rom sehen und sterben“ können wir nicht unterschreiben; es gibt noch manche Ecke dieser Erde, die wir vorher sehen möchten.

 

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