2015 - NIZZA Marathon

Marathon des Alpes maritimes“

Der JCB an der Cotê d‘Azur

Mit Fug kann man die Hauptversammlung vom 29. Januar 2015 als schicksalhaft bezeichnen. Als es um die Club Marathon Reise 2015 ging, standen ein Marathon mit „Bombenstimmung“ oder eine etwas lockerere Variante des Events zur Auswahl. Letztere mit Aussicht auf einen stahlblauen Himmel, azurblaues Meer entlang der Strecke, spätsommerliche Temperaturen und eine von Hochstimmung geprägte Masse der Marathonteilnehmer und der Zuschauer. Das Leben der Nichtsportler ist nicht gerade von Überschwang und Emotionen geprägt. Während diese, von der intellektuellen Kühle und Nüchternheit geprägt, alles und jedes erst einmal kritisch prüfen, bevor man sich entscheidet, ein Gefühl zu entwickeln, pflegen die Mitglieder des JCB seit Jahren die Kultur der spontanen Lebensfreude. Kein Wunder, dass der richtige Entscheid hiess, dem täglichen Joggen auch mal eine andere Farbe zu verleihen und das Läuferfeld des „Marathon des Alpes Maritimes“ in Nizza zu bereichern. Vom Club haben sich diesmal 5 Aktive und eine Supporterin dieses Motto an die Fahne geschrieben. 

Gruppe aussenMit dem easyJet ist es bloss ein 45-minütiger Sprung an die Côte d’Azur. Während Catherine, Christine, Margrith und der Schreibende bereits am Freitag der farblos gekleideten und mit grimmiger Miene an den Arbeitsplatz schreitenden Masse entflohen sind, landeten Irene und Willi erst einen Tag später in der Metropole der Leichtfüssigkeit, Herzlichkeit und Freundlichkeit. Wenn man diese Umschreibung mit spielerischem Umgang miteinander, Höflichkeit und Grazie ergänzt, hat man schon den Gesamteindruck vermittelt, den wir während des ganzen Aufenthaltes gehabt haben. Der Empfang im Hotel, das unumgängliche Prozedere der Startnummernausgabe, die Abgabe der Kleidersäcke, die Organisation der Startblöcke, die Streckenführung und Verpflegung, die bequeme Art des Rücktransports nach Nizza und nicht zuletzt die Art und Weise, wie wir an den Abenden in diversen Restaurants kulinarisch verwöhnt wurden, dies alles formte ein Erlebnis, das wir alle mit Liebe auf dem Dachboden der schönsten Erinnerungen aufbewahren werden. Auf einen einzigen Wermutstropfen, eine unverzeihliche Unzulänglichkeit der Organisatoren, die unsere Stafette Läuferinnen betraf, komme ich später zu sprechen.

Die grossen Ereignisse werfen ihre Schatten bekanntlich voraus, daher hat man sich schon am Samstag der präzisen Vorbereitung der nicht einfachen Abläufe zugewandt. Margrith hat die Aufgabe der Koordinatorin der Stabübergabe der JCB-Staffel übernommen. Um Pannen im Stile der Schweizer Stafette an der Europameisterschaften zu vermeiden, haben Catherine, Christine und Margrith am Vortag den Tatort Wechselzone in Antibe aufgesucht. Die Zeichen für die vorgesehenen Absperrungen und die Wegleitung der Stafette-Läuferinnen auf dem Asphalt wurden nicht nur gelesen, sondern auch richtig interpretiert. Genau abgesprochen wurde zudem die Übergabe der Kleider der beiden Athletinnen. Selbst ohne eine Generalprobe, klappte es am nächsten Tag bei der Hauptvorstellung mit einer Präzision, von dem sich mancher filmreifer Banküberfall eine Scheibe abschneiden könnte.

Nun zur Hauptvorstellung selber. Der Start wurde zu einer verbrecherisch frühen Stunde angesetzt, die sich aber von der Kulisse her als die beste Variante entpuppte. Punkt um 08.00 Uhr mit dem Startschuss tauchte die Sonne aus dem Meer auf und begleitete uns bis ins Ziel in Cannes. Unter einem blauem Himmel und Temperaturen letztlich um 20°C liess sich intensiver von einem kühlen Bier nach dem Zieleinlauf träumen. Die Strecke hatte es allerdings in sich. Von der Promenade in Nizza ging es zunächst immer dem Meer entlang durch die Ferienortschaften und kleinen Städtchen. Bis km 24 verlief die Strecke praktisch flach, dann, ab Antibe, gewann das Streckenprofil aber an Dramatik. Es gab immer wieder kleine oder grössere Anstiege, der schwierigste dann bei km 28, der sich bloss einen Kilometer lang –  gefühlt aber wie unendlich –  hinzieht. Und selbst 4 km vor Cannes wurde man mit einer langgezogenen Steigung über eine Bahnbrücke konfrontiert, die einem noch einmal recht zusetzte. Erst auf den letzten 3 km konnte man sich nicht nur in der schreienden Menge baden, sondern noch versuchen, auf der flachen Croisette das Letzte aus dem völlig überhitzen Motor herauszukitzeln. Der Zieleinlauf war diesmal nicht mit einem roten, sondern mit einem 200 m langen blauen Teppich unterlegt. Wer den ganzen Marathon absolvierte, darf von diesem unvergesslichen Erlebnis noch lange zehren.

Nicht in allen Punkten optimal erlebten es unsere Teilnehmerinnen in der Stafette. Aus völlig unbegreiflichen Gründen gab es für die Läuferin der ersten Hälfte nach der Stabübergabe keine Verpflegung. Und bei der Zielläuferin konnte keine echte Freude aufkommen, wenn sie ca. 100 m vor dem Ziel in eine Sondergasse dirigiert und dann direkt aus der Zielzone herauskomplimentiert wurde. Auch für sie gab es keine Verpflegung im Zielgelände. Dabei konnten die Stafetten Teilnehmer durch den trennenden Zaun entgeistert zusehen, wie sich die Finisher des Marathons nach Belieben mit Getränken und allerhand Obst bedienen konnten. Was sich die Organisatoren dabei gedacht haben, entzieht sich jeder vernünftigen Logik des sportlichen Denkens.

BILD6503Letztlich sind wir alle – und das ist das Wichtigste –  überaus zufrieden und mit einem unbeschreiblichen Glücksgefühl im Ziel angekommen. Für die Marathonabsolventen Irene, den Schreibenden und allen voran für den mit mehr als 70 Marathons erfahrensten, Willi, eine bereits mehrfach erlebte Erfahrung, ebenso für Catherine auf der Halbmarathonstrecke. Hervorzuheben bleibt an dieser Stelle aber der Mut und Leistung von Christine, die sich gleich das erste Mal auf einer internationalen Strecke wacker geschlagen und bestens bewiesen hat. Bei ihr ist auch das Potential für mehr durchaus vorhanden.

Wo vermeintliches Leiden in sportlich schicker Form vorhanden ist, dort gibt es danach eine echte Freude und Genuss. Und diese motivierende Lebensfreude haben wir an den Abenden in den Lokalen in fast dopingverdächtigen Dosen konsumiert. Kein Wunder, dass bereits hier Prospekte gesammelt und Pläne geschmiedet wurden, um einem weiteren Marathon Event des JCB konkrete Konturen zu verleihen. Wer sich also in neuem Jahr 2016 auf den wirklichen Sinn des Daseins besinnen will, der lässt sich die angekündigten Marathons sicher nicht entgehen. (© Jiri)